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Outreach

Autor: Marie | Datum: 21 April 2010, 12:39 | 22 Kommentare

Die momentane Situation in ELCAP ist fuer niemanden hier leicht.Wir sind im Begriff uns neu bei den Amerikanischen Sponsoren PACT zu bewerben und einige Kollegen arbeiten mitlerweile nur noch auf freiwilliger Basis jeden Tag im Buero. Da ELCAP Patienten und OVC children in mehreren Regionen erfasst sind Ellen, Wynand, Jona und ich rausgefahren fuer 12 Tage um fehlende Reports einzusammeln, Schuhe auszuteilen und die Volunteers auf den neusten Stand zu bringen. Seit Maerz arbeiten wir als Team und helfen den grossen Endreport vorzubereiten, von dem abhaengt ob wir uns bewerben koennen oder nicht.

Fuer mich war es eine sehr lehrsame Zeit in welcher ich nochmal einen tiefen Blick in das Land und seine Menschen bekommen habe. Unsere Route fuehrte uns von Tubusis nach Karibib und weiter nach Kalkfeld, Otjiwarongo und Outjo. Vom ersten Tag an erlebten wir eine grosse Gastfreundschaft, der Volunteers und Gemeindemitgliedern bei denen wir unterkamen und unser Essen am Ende eines langen Tages kochen konnten. Unsere erste Nacht verbrachten wir in einem Hostel der Primary School in Tubusis, einem kleinen Dorf ohne feste Strassen. Unsere Arbeit verlief so, dass wir uns mit den Volunteers trafen, die die Hausbesuche bei den AIDS und Tuberkulosekranken machen, und mit ihnen die neuen Formen besprachen. Jeder Volunteer muss bestimmte Formen ausfuellen in denen der Patient nach seinem seelischen und koerperlichen Wohlbefinden gefragt wird. Ausserdem wird notiert, was gemacht wurde, wie z.B. waschen, kochen oder andere Hilfeleistungen. Die Schwierigkeit besteht darin, das seine Voluntaerin selbst gar nicht schreiben konnte und diese die Formen nicht verstehen. Nachdem alles besprochen und alle Fragen geklaert waren, teilten wir uns auf und liefen von einem Patienten zum naechsten.

Es ist eine Sache die Patienten abzuheften und ins System zu tippen aber eine ganz andere sie persoenlich zu besuchen, mit ihnen zu reden und zu SEHEN wie es diesen Menschen geht. Das sind Eindruecke die mich sehr bewegt haben. Eine alte Frau lag in einer kuehlen Lehmhuette mit nichts als einer Matratze und einem kleinen abgemagerten Hund, der nicht von ihrer Seite gewichen ist. Sie war klapperduerr und konnte nichts sehen. Das Sprechen fiel ihr schwer, weil die Lippen voellig trocken waren, da sie nicht an ihr Wasser kam. An diesem Tag war ihr Enkel noch nicht da gwesen um ihr etwas zu trinken zu geben! Nach dem Besuch ging es weiter in der heissen Mittagshitze, vorbei an Huetten, kleinen Feuern und Straeuchern zum naechsten Haus eines aelteren Ehepaares, die vor ihrem Haus sassen und schliefen. Der Hund hat glaub ich noch nie ne Weisse gesehen.. auf jeden Fall bin ich erstmal ein paar Mal um die Huette gerannt

Sehr zur Belustigung der Nachbarn, die eigentlich IMMER wissen, was gerade los ist. Oft kommen vor allem die Kinder, gucken was wir machen, kichern und wuseln einem in den Haaren rum. Oupa hat erstmal angefangen zu flirten aber ich war doch froh, das er mit einem Haendeschuetteln zufrieden war Wir fuellten den Well Being Index aus und hatten ein sehr nettes Gespraech. Es tut mir nur sehr Leid wenn die Leute dann fragen, was wir ihnen mitgebracht haben und wir sagen, wir haben kein Geld im Moment, nichtmal Pap.

Viele Menschen mit HIV/AIDS bekommen Hautkrankheiten und andere Krankheiten aufgrund des schwachen Immunsystems. Wir haben Wunden desinfiziert und Unreinheiten mit Petroliumoel eingerieben. Ob das hilft frage ich mich da schwer..

Ein einzelner Hausbesuch dauert lange, weil erst jeder jeden gruesst und sich mit Herkunft, Beruf,etc vorstellt und nachdem jeder eine Sitzgelegenheit (alte Kanister oder Hocker dem ein Bein fehlt und man sitzend balancieren kann) gefunden hat werden die Patienten befragt. Oft ist dies ein schwererer Prozess, da auch sehr intime Fragen gestellt werden und die Patienten sich damit unwohl fuehlen.

Nachdem wir uns im Team wiedergetroffen haben wurden alle mit ELCAP registrierten OVC (Orphan Vulnerable Children) eingesammelt und die Schuhe wurden ausgeteilt. Wir brauchten von jedem Kind die Unterschrift und da viele gar nicht bei uns registriert waren oder nicht gekommen sind mussten wir mit dem Auto in die Location fahren und dort nach den Kindern suchen. Wir sind so oft hin und her gefahren, dass ich echt manchmal nur noch schlapp im Auto hing und diese Minuten zum Ausruhen genutzt habe.

Bei unserer Uebernachtung in Karibib durften wir im Buero schlafen und die Frau des Pastors hat uns bekocht. Ich habe das so genossen nach den Tagen mit Ziegenfleischfruehstueck! Sie war wirklich total lieb und hat dann selbst gar nicht mitgegessen, erst nachdem wir alle fertig waren, was ich sehr schade fand aber so ist das.

In Kalkfeld, einem winzigen Ort trafen wir auf Martin, einen ehemaligen Patienten, der jetzt ein Volunteer ist! Ich habe ihn interviewt und seine Success Story wird mit in den End Report gepackt. Er wog nur noch 18 Kilo und geht auch jetzt noch an Kruecken aber seine Vision fuer die Zukunft ist, dass er anderen Menschen Mut machen will und ihnen sagen: das ist nicht das Ende. Er sagt seine Kinder haetten ihm die Kraft gegeben aufzustehn und als einziger des kleinen Krankenhauses hat er die Tuberkulose ueberlebt! In all diesem Leid tut es total gut so etwas zu sehen. Er ist ganz stolz auf das Foto das wir von ihm gemacht haben. Er steht und lacht, seine Mutter im Arm.

Neben den Hausbesuchen waren wir in Grundschulen und mussten den Direktoren sagen, dass ELCAP fuer einige Zeit die Kinder nicht mehr voll unterstuetzen kann. Kein leichter Job, weil die Eltern wohl kaum fuer das Schulgeld aufkommen koennen.

Neben der Arbeit galt es jeden Tag abends unser Essen und einen Schlafplatz zu organisieren- Abenteuerlich.. Am liebsten waere ich abends nur noch schlafen gegangen aber wir haben dann unsere Freizeit genossen, sind weggegangen oder haben mit den Familien zusammengesessen und gegessen. Gewaschen haben wir uns aus Schuesseln, da es meistens keine Duschgelegenheiten oder aehnliches gab. Ich beherberge seit letzter Woche einen Flo, habe aber seit 2 Tagen keinen Stich mehr. Auf einer kleinen Farm haben wir frische Milch bekommen, die megasauer getrunken wird!

Es ist schwer alle Eindruecke in einen Blogeintrag zu packen aber ich hoffe das war ein kleiner Einblick. Wie es euch wohl gerade geht?

Alles liebe,

Marie

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